Bärndütsch schrybe

Bärndütsch zu schreiben ist gar nicht so einfach. Nicht einmal für die Berner selbst. Deshalb hier ein paar einfache Tipps.

Es gibt keine verbindliche Rechtschreibung

Bärndütsch ist ein Dialekt und hat als solcher keine verbindlichen Rechtschreib-Regeln bzw. Grammatik.
Unsere Tipps zur Schreibweise stammen aus dem Lehrmittel «Bärndütsch» von unserem Team-Mitglied Ursula Pinheiro-Weber.

Ein schwaches «e» ist kein «ä»!

Es ist grundsätzlich in Ordnung, die Schreibweise der Aussprache anzugleichen. Wir tun das nicht, weil wir der Meinung sind, dass diese Schreibweise die Lesbarkeit stark beeinträchtigt.
Unbedingt zu vermeiden ist jedoch eine «zwanghafte Übertreibung», die den Buchstaben «ä» überall dort schreibt, wo ein schwachtoniges «e» steht!
«Äs chlisäs Gipfäli am Morgä».
«Es chlyses Gipfeli am Morge».

«der» ist besser als «dr»

Das «e» im männlichen Artikel «der» ist im Bärndütsch beinahe tonlos, was sich als «dr» anhört. Es ist aber konsistenter, «der» zu schreiben. Andernfalls müsste zum Beispiel auch «vrby» statt «verby» geschrieben werden.

Das «h» aus dem Hochdeutschen dient der Klarheit

Das «h» aus dem Hochdeutschen wird beibehalten wenn es eine Dehnungsfunktion ausübt. «Heit dihr ihn gseh?» ist viel verständlicher als «Heit dir in gseh?»

«schrybe» ist besser als «schribe» und «schriibe»

Ein geschlossenes «i» (entspricht sehr oft «ei» im Hochdeutschen) wird vorzugsweise als «y» geschrieben, um es vom offenen «i» abzugrenzen. Die Schreibweise «ii» ist nicht ideal weil dies auch verwendet wird, um ein langes «i» zu schreiben.

Langes «i» als «ii» oder «yy» schreiben

Ein langes «i» (offen oder geschlossen) wird in der Schreibweise mit einer Verdopplung deutlich gemacht: «Gschiir», «schyyne».

Zwei verschiedene Vokale nur schreiben wenn beide ausgesprochen werden

Im Hochdeutschen werden zwei verschiedene Vokale auch zur Dehnung verwendet: «Friede», «sieben», «Wiedersehen».
Im Bärndütsch werden zwei verschiedene Vokale nur geschrieben wenn beide ausgesprochen werden: «Lied», «lieb», aber: «Fride», «sibe», «Widerluege».

Zwei gleiche Vokale aus dem Hochdeutsch bleiben erhalten

Zwei gleiche Vokale (lange Vokale) bleiben erhalten: «Schnee», «Boot», «Saal».

Vokalisiertes «l» ist typisch, aber schwer lesbar

Die Vokalisierung des «l» ist sehr typisch für die Aussprache des Bärndütsch: «Miuch», «aui», «wöue». Allerdings wird die Lesbarkeit dadurch stark beeinträchtigt. Daher empfehlen wir die ganz normale Schreibweise mit «l»: «Milch», «alli», «wölle».

Dasselbe gilt für die Velarisierung («nd» zu «ng»)

Auch die Velarisierung von «nd» zu «ng» ist sehr typisch für die Aussprache des Bärndütsch: «Hung», «Hang», «mitenang». Auch dadurch wird die Lesbarkeit beeinträchtigt, so dass wir auch hier die normale Schreibweise empfehlen: «Hund», «Hand», «mitenand».

Am Wortanfang «st» und «sp»

Obwohl die Aussprache von «st» und «sp» immer «scht» und «schp» ist, wird am Wortanfang nur «st» und «sp» geschrieben: «Stadt», «Spiil», «springe». Achtung! Vorsilben und Verbzusätze werden ignoriert. Daher auch: «wägspringe», «Gstank».

Im Wortinnern und am Ende «scht» und «schp»

Im Wortinnern und am Wortende wird gemäss Aussprache geschrieben: «Schwöschter», «Wäschpi».