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Berndeutsch schreiben – Bärndütsch schrybe

Berndeutsch zu schreiben ist gar nicht so einfach. Nicht einmal für die Berner*innen selbst. Deshalb hier ein paar einfache Tipps.

Generelle Tipps

Keine verbindlichen Regeln, aber auch keine Narrenfreiheit

  • Berndeutsch ist ein alemannischer Dialekt und kennt als solcher keine verbindlichen Rechtschreib-Regeln.
  • Trotz nicht vorhandener Regeln gibt es Schreibfehler. Aber mit den Tipps auf dieser Seite vermeidest du die Häufigsten.
  • Es gibt zwei bekannte Schreibweisen für Berndeutsch: möglichst nah am Schriftbild der Standardsprache oder möglichst lautgetreu (mehr Details weiter unten).
  • Keine Schreibweise ist besser oder schlechter als die andere, entscheidend ist, dass die Zielgruppe den Text ohne Probleme lesen kann.

Goldene Regel

Die wichtigste (und schwierigste) Regel überhaupt: egal, für welche Schreibweise du dich entschieden hast, sei innerhalb eines Textes konsequent.

I wott mit mym Hund z Thun ga Wy u Milch choufe u ha ds Gäld vergässe.

I wott mit mim Hung z Thun ga Wii u Miuch choufe u ha ds Gäud vergässe.

I wott mit mim Hung z Thun ga Wy u Miuch choufe u ha ds Gäld vergässe.
Inkonsequent!

Häufige Fehler

Ein unbetontes «e» ist KEIN «ä»

Ein unbetontes «e» ist und bleibt ein «e» – trotz der galoppierenden Ä-Inflation. Bei uns im Team verursacht diese Ä-Schreibung «Bybeli» oder «Bibeli», aber niemals «Bybäli» ;-)

D Susle, Härzlechi Grüess, Es Gipfeli, Es Meiteli.

D Suslä, Härzlächi Grüess, Es Gipfäli, Es Meitäli.
In Bern spricht niemand ein so ausgeprägtes «ä» aus.

Verwechslungsgefahr: «ds» und «z»

Die Wörtchen «ds», hochdeutsch «das» (sächlicher Artikel) und «z», hochdeutsch «zu» (Präposition) darf man nicht verwechseln.

I wott mit mym Hund z Thun ga Wy u Milch choufe u ha ds Gäld vergässe.

I wott mit mym Hund ds Thun ga Wy u Milch choufe u ha z Gäld vergässe.
Hochdeutsch: Ich will mit meinem Hund das Thun ... kaufen und habe zu Geld vergessen.

Häufige Zweifelsfälle

Literarisches «y» oder einfaches «i»

Die klassische Berndeutschliteratur schreibt das geschlossene «i», phonetisch [iː], als «y» («er isch z benyde»), das offene, phonetisch [ı], als «i» («mir hei ne benide»). Viele finden das heute zu kompliziert und schreiben immer «i» oder «ii» («er isch z beniide»). Auch hier gilt: beides ist prima, aber es muss konsequent sein.

I wott mit mym Hund z Thun ga Wy u Milch choufe u ha ds Gäld vergässe.

I wott mit mim Hund z Thun ga Wii u Milch choufe u ha ds Gäld vergässe.

Apostroph oder nicht?

Bei verkürztem «es» kann ein Apostroph gesetzt werden, muss aber nicht.
Wi hei mers? Geits no?

Wi hei mers? Geits no?
Der bestimmte Artikel «die» braucht kein Apostroph.

D Lüt, d Mueter, d Wäut.

Die zwei Arten, Berndeutsch zu schreiben

Nahe an der Standardsprache oder lautgetreu

Grundsätzlich gibt es zwei Arten, Berndeutsch zu schreiben:
  1. Möglichst nahe am standarddeutschen Schriftbild. Mit dem Ziel, dass Leser*innen der Standardsprache1 den Text mühelos lesen können. Diese Art wurde von Werner Marti geprägt.
  2. Möglichst lautgetreu. Zum Zweck einer optimalen Übereinstimmung mit der Aussprache. Diese Art wurde von Eugen Dieth geprägt.
1 Die Deutschschweizer lesen mehrheitlich (Medien, alles Formale) Standardsprache. Nur für die informelle schriftliche Kommunikation wird zunehmend der Dialekt verwendet.

Gegenüberstellung

Hier ein paar typische Unterschiede und Gemeinsamkeiten der beiden Arten, Berndeutsch zu schreiben.

Das fast unhörbare «e» (Schwundlaut) in einem Wort

Es kann entweder geschrieben werden wie im standarddeutschen Schriftbild – oder aber in vielen Fällen lautgetreu weggelassen werden.
STD Nahe an STD Lautgetreu
Der Korb der Chorb dr Chorb
aber aber abr (nicht empfohlen)
vergessen vergässe vrgässe
vorbei verby vrby

Dehnungs-H

Das «h» aus der Standardsprache kann in der lautgetreuen Schreibweise durch eine Verdoppelung des Vokals ersetzt werden.
STD Nahe an STD Lautgetreu
nahe nah/naach naa/naach
Lehrer Lehrer Leerer
Uhren Uhre Uure
Ohren Ohre Oore
Huhn Huen Huen
blühen blüeje (nicht blühije) blüeje

Langes «i», «u» und «ü»

Im Berndeutschen werden zwei verschiedene Vokale nur geschrieben, wenn beide ausgesprochen werden.
STD Nahe an STD Lautgetreu
Lied Lied Lied
lieb lieb lieb
Friede Fride Fride
sieben sibe sibe

«ie», «ue», «üe»

Wörter, die im Standarddeutschen einen Langvokal enthalten, berndeutsch aber mit einem Zwielaut ausgesprochen werden, schreiben sich mit «ie», «ue», «üe» (nicht mit «iä», «uä», «üä»!)
STD Nahe an STD Lautgetreu
Bier Bier Bier
gut guet guet
wüst wüescht wüescht

Vokalisierung des «l»

Die Vokalisierung des «l» ist vermutlich das bekannteste Aussprachemerkmal des Berndeutschen. Es ist so prägend, dass es oft auch in der standardsprach-nahen Schreibweise verwendet wird.
STD Nahe an STD Lautgetreu
Milch Milch/Miuch Milch/Miuch
Auch in der lautgetreuen Schreibweise sollte man das «u» in Wörtern, welche mit Doppel-L geschrieben werden, nicht verdoppeln.
Billig billig/biuig biuig (nicht biuuig)

«sp» und «st»

«sp» und «st» werden in der STD-nahen Schreibweise im Anlaut meist als «sp»/«st» geschrieben, lautgetreu als «schp»/«scht».
STD Nahe an STD Lautgetreu
Spatz Spatz Schpatz
Stadt Stadt Schtadt
Ausnahme: Orts- und Familiennamen
Spiez Spiez Spiez
Frau Spörry Frou Spörry Frou Spörry (nicht Schpöri)
Achtung: Im Wortinnern bei beiden Schreibweisen «sch»
Schwester Schwöschter Schwöschter
Wespe Wäschpi Wäschpi